top of page

12. Cister-Symposium
18.-20. September 2026

IMG-20260921-WA0006.jpg

​

 

Bericht von Andi Wetzel
 

 

Donnerstag: Ankommen und Aufwärmen im Thüringer Wald

 

Nach der Ankunft am Donnerstagabend im Achat Hotel in Suhl hielt es kaum jemanden lange auf den Zimmern. Das inoffizielle Auftaktsignal gab der öffentliche Musikantenstammtisch in der Kneipe "Suhler Waffenschmied". Bei kühlem Bier, herzlichem Gesang und den ersten Waldzither-Klängen gab es ein freudiges Wiedersehen mit alten Bekannten – die perfekte Einstimmung auf das vor uns liegende Wochenende.

​

Freitag: Workshop-Vielfalt und akustische Höhepunkte

​

Der Freitag startete direkt mit vollem Programm. Für Neulinge bot Andi Wetzel seinen Kurs "Absolute Beginners" an, während Tim Liebert beim Waldhammern die Clawhammer-Spieltechnik auf die Waldzither übertrug. Im Anschluss nahm uns Jo Rosenbrück mit in die Welt des Fingerstyle und Ensemble-Spiels, erarbeitet am Klassiker "Bunt sind schon die Wälder". Ergänzt wurde das Vormittagsprogramm durch Sabine Nitsche, die mit den Teilnehmern die "Tampete" – eine traditionelle Tanzmelodie aus Thüringen – als dreistimmiges Waldzitherspiel einstudierte.

 

Ein besonderes Highlight folgte am Nachmittag: In der Kirche in Suhl-Heinrichs hieß es „Lieder in der Kirche akustisch – laut & leise“. Verschiedene Teilnehmer des Symposiums boten Musikstücke und Lieder dar. Zurück im Achat Hotel klang der Tag mit einer offenen Bühne aus, die gleichzeitig als stimmungsvolle Vorstellungsrunde aller Anwesenden diente.

 

Samstag: Musikpraxis, historische Entdeckungen und der
„Cister-Act“

 

Aufgrund des großen Interesses neu angekommener Teilnehmer bot Andi Wetzel am Samstagmorgen erneut seinen Anfängerkurs an. Parallel dazu zeigte Jean-Pierre van den Boom, wie man das Melodiespiel nach Gehör mit Tremolieren verfeinert, bevor er am Nachmittag tiefer in die Fingerpicking-Technik mit Metall-Picks eintauchte.

 

Den Höhepunkt des Tages bildete das Kulturerbe-Kolloquium von Norbert Feinendegen. Er präsentierte seine neuesten Forschungsergebnisse zur weitgehend unerforschten Geschichte der Waldzither im Zeitraum von ca. 1840 bis 1900, in der die Wartburg in Eisenach eine zentrale Rolle spielte. Durch eingestreute Waldzither-Stücke und Lesungen gelang ihm ein mitreißender Vortrag, den das Publikum am Ende mit langanhaltenden Standing Ovations feierte.

 

Am Abend folgte der traditionelle Cister-Act, unser öffentliches Teilnehmerkonzert in der Tanzgalerie in Suhl, mit einer bunten Vielfalt an Beiträgen. Besonders in Erinnerung blieb dabei der Auftritt von Björn Kaidel: Seine kunstvolle Spielfertigkeit auf der Waldzither setzte neue Maßstäbe und begeisterte das Publikum.

 

Sonntag: Denkanstöße und Vereinsleben

 

Der Sonntag begann um 9:00 Uhr mit einem bewegenden musikalischen Vortrag von Horst Schäfer über die „Lieder der Jugendbewegung – Vom Wandervogel bis zum Verbot durch den Nationalsozialismus“. Die historischen Fotos und Hintergründe stimmten nachdenklich, während die bekannteren Lieder von den Teilnehmern kräftig mitgesungen wurden.

 

Mit der anschließenden Mitgliederversammlung des Vereins ging ein rundum gelungenes, inspirierendes 12. Cister-Symposium zu Ende.  

 

Mein Fazit: auch dieses Mal wieder ein großartiges Wochenende mit viel Musik, schönen Begegnungen mit alten und neuen Bekannten und Freunden. Musik verbindet ! Insbesondere Waldzither-Musik :-)

​

​​

​

PRESSEMITTEILUNG zum KULTURERBE-KOLLOQUIUM

​

Neue Forschungsergebnisse: Historische Verbindung dreier UNESCO-Kulturgüter in Thüringen

 

Suhl / Eisenach, 7. August 2026 – Jüngste Recherchen des Vereins der Freunde und Förderer der Waldzither e.V. dokumentieren eine bislang unbekannte Verbindung zwischen drei bedeutenden Thüringer Kulturgütern. Die Ergebnisse zeigen, dass der Bau und das Spiel der Waldzither – im vergangenen Jahr in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen – im 19. Jahrhundert eine deutlich zentralere gesellschaftliche und pädagogische Rolle einnahmen als in der Forschung bisher angenommen.

 

Die Waldzither als Teil der Wartburgromantik

Bislang ging die Geschichtsschreibung davon aus, dass die Tradition des Waldzitherspiels im 19. Jahrhundert lediglich in einigen abgelegenen Dörfern des Thüringer Waldes überdauert hatte. Die neuen Quellenbelege korrigieren dieses Bild. Sie weisen nach, dass das Instrument an prominenter Stelle und bis in die obersten Gesellschaftsschichten hinein gespielt wurde.

Im Mittelpunkt stehen hierbei die beiden Wartburg-Kommandanten Bernhard von Arnswald (Amtszeit 1840–1877) und Hermann von Arnswald (Amtszeit 1877–1894), sowie ihr Freund, der Meininger Dichter und Archivar Ludwig Bechstein. Die Brüder Arnswald waren ausgezeichnete Zitherspieler und ließen ihr Instrument regelmäßig vor den hochgestellten Gästen der Wartburg erklingen. Die Belege zeigen, dass das Zitherspiel der Arnswalds ein fester Bestandteil der damaligen Wartburgromantik war.

Auch das Bildprogramm der im 19. Jahrhundert umfassend restaurierten Wartburg zeugt, wie sich nun zeigt, von der Kenntnis der Verantwortlichen über die historische Bedeutung der Zither.

 

Einsatz in der frühen Fröbel-Pädagogik

Über Hermann von Arnswald lässt sich zudem eine direkte Verbindung zu einem weiteren Thüringer UNESCO-Kulturerbe ziehen: der Kindergartenidee nach Friedrich Fröbel (anerkannt seit 2023). Als Schüler und persönlicher Freund Fröbels führte Hermann von Arnswald die Waldzither bereits um 1850 im Eisenacher Kindergarten ein.

Dies geschah in Zusammenarbeit mit Julie Traberth, einer Vertrauten Fröbels und langjährigen Leiterin der Einrichtung. Die Quellen belegen, dass das Instrument dort über vier Jahrzehnte lang im Rahmen der musikalischen Früherziehung genutzt wurde. Die neuen Befunde erweitern das Verständnis über die regionale Verbreitung und den praktischen Einsatz der Waldzither in der thüringischen Bildungsgeschichte.

 

Vorstellung der Ergebnisse auf dem Cistern-Symposium

Der Verein der Freunde und Förderer der Waldzither e.V. präsentiert die neuen Erkenntnisse im Rahmen seines diesjährigen Cistern-Symposiums. Die Vorstellung findet am Samstag, dem 19. September 2026 um 11:00 Uhr im Achat Hotel Suhl statt. Den reich bebilderten Vortrag hält Dr. Norbert Feinendegen; musikalisch illustriert werden die neuen Funde durch namhafte Vertreter der aktuellen Waldzitherszene. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

 

 

Presseberichte zum Symposium finden sich hier und hier. 

Flyer 2026 S1und 2-neu.jpg
Waldzither von G. Becker
bottom of page